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Keratea – Lavreotiki: Zweimonatiger Staatsterrorismus

Am 8. Februar eskalierte gegen 16 Uhr der koordinierte Angriff der Junta-Schergen gegen die Menschen von Keratea (Attika, Griechenland). Seit dem 11. Dezember, inzwischen seit 2 Monaten, leisten AnwohnerInnen und solidarische UnterstützerInnen erbitterten Widerstand gegen das Projekt einer Mülldeponie im Gebiet von Lavreotiki. Die Menschen widersetzen sich mit allen Mitteln dem Plan ihr Leben zu zerstören. Sie wehren sich gegen die Plünderung der Natur, verursacht durch die Baufirmen-Hyänen und ihre politischen Stützen der demokratischen Diktatur.

Der Widerstand der lokalen Gesellschaft durch Organisationen, aber auch die weit verbreitete gesellschaftliche Gegengewalt konnten nicht staatlich unbeantwortet bleiben. Seit rund zwei Monaten gibt es fast tägliche Auseinandersetzungen mit der Aufstandsbekämpfungspolizei an den Barrikaden (z.B. Molotow Cocktails, Steinwürfe) und Sabotage auf der Baustelle.

In einer für diese Gegend bisher beispiellosen Einsatz aller repressiven Instrumente, überfielen die Schergen der Sicherheitspolizei die Häuser von widerständigen BewohnerInnen. Das geschah mit der Absicht ihre Tätigkeit kriminalisieren zu können und alle, die sich wehren, einzuschüchtern.
Die Polizisten schlugen und verhafteten viele Personen. Die Mutter eines Verhafteten erlitt dabei einen Herzanfall, was sogar vom Bürgermeister bezeugt wurde. Solidarische Menschen versuchten diese Verhaftung zu verhindern, verlangten seine sofortige Freilassung und umzingelten die lokale Polizeistation. Zu dieser Zeit begann eine im militärischen Stil durchgeführte Operation. Polizeieinheiten bedienten sich rücksichtslos Biologischer Kampfmittel. Dieser umfasste den ständigen Einsatz von Tränen- und Erstickungsgas, Pfefferspray sowie Blendgranaten, mit dem Zweck die örtliche Bevölkerung auszumerzen.

Die betäubten Massenmedien waren wieder einmal vollkommen dem Menschenhass der uniformierten Schweine gleichgeschaltet. Während Schläger in Zivil und die MAT-Bereitschaftspolizei junge und alte Männer, Frauen und Kinder (gemäß vieler lokaler Berichte) prügelten. Die Einsatzkräfte riefen dabei auch ab und zu den Namen von Alexis Grigoropoulos. Ein offensichtliches Protzen mit ihrer mörderischen Selbstzufriedenheit, während auf den Parlamentsbänken die neuen Veränderungen in Sachen Gesundheitspolitik diskutiert werden. Die Massenmedien versprachen volle Aufklärung der Ereignisse in Keratea-Lavreotiki – und erregten ironischerweise „Nostalgie“ für ehemalige Eilmeldungs-Bulletins der Falschinformation. Zur selben Zeit, beschränkte sich die parlamentarische „Linke“ in ihrer Reaktion auf Anfragen auf der Tagesordnung und beklagte sich vage über Polizeigewalt. Währenddessen Menschen jeden Alters und Ideologie ihr Recht auf aktive Selbstverteidigung ausüben, indem sie Töpfe, Orangen, Steine und andere handliche Gegenstände von Balkonen und Straßen gegen die voll bewaffneten BesatzerInnen schleudern.

Die Handlanger der Junta wandelten eine gesamte Region in eine militarisierte Zone, brachen die Blockade des VIO.PA (Industrieparks), besetzten die Hauptstraße von Keratea und begrenzten den Kampf der EinwohnerInnen auf kleine Widerstandsinseln in den Straßen der Innenstadt. (Agios Dimitrios) Bezeichnend für die Ereignisse- welche der Staat, die Bosse und Medienpapageien „ausradieren“ wollen, war die allgemeine Mobilmachung. Kirchenglocken erklangen vom frühen Nachmittag an und riefen die Leute dazu auf auf die Straße zu gehen, während das lokale Radio (sogar für einige Stunden) Live-Berichte gegen das Regime der Junta sendete.

Das Gebiet um Lavreotiki und vor allem die Stadt Keratea wurde, im wahrsten und übertragenen Sinne des Wortes, abgesondert. Das kann durch dutzende wütende Augenzeugenberichte, dutzende verletzte und verwundete Einwohner sowie die überwachten Zufahrten zu der Region belegt werden. Es ist ein Generalangriff auf einen radikalen Kampf, der durch das Regime und seine Sprachrohre vertuscht werden soll. Aber die Wahrheit kommt vor allem durch die verbreiteten Zeugenaussagen ans Licht, die öffentlich die Brutalität des Staates anprangern und betonen, dass wir nur durch Zufall keine Todesopfer heute Nacht beklagen. (bis zum 9. 2.). Mindestens in einem Fall zog ein Zivilpolizist seine Knarre und richtet sie gegen Personen.

Die genaue Anzahl Verletzter, in Gewahrsam Genommener und Verhafteter ist noch nicht bekannt. Einzig gesichert ist, dass der Kampf der BewohnerInnen von Keratea and Lavreotiki unser Kampf ist, ein Kampf aus Verzweiflung und ums reine Überleben. Die Konservativsten, bis hin zu den radikalsten Personen der lokalen Gemeinde erkennen des Staat als terrorisierenden Mechanismus an und rufen auf zur allgemeinen Solidarität in beliebiger Form, in und außerhalb Griechenlands.

Für Mittwoch den 9. Februar hatten Einwohner und UnterstützerInnen zu einer offenen Versammlung in Agios Dimitrios geladen.

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